NEUE EDITION – BLANKENHEIM/ROSAR

J. S. Bach
Französische
Suite Nr. 1
Franz.-Suite-1

J. S. Bach
Französische
Suite Nr. 2
J. S. Bach
15 Inventionen
J. S. Bach
15 Sinfonien
J. S. Bach
Kleine Präludien

Seit Urtext-Ausgaben leicht zu erhalten sind, kann sich der Spieler  direkt mit dem Bach’schen Text befassen. Wie Walter Blankenheim in seinem Vorwort zu den Bachtagen (1997) schrieb: … der Interpret muss verstehen, was er oder sie spielt, d.h.: sie oder er muss den fast völlig neutralen Text (Problem und Chance), erst für sich bearbeiten, um ihn sinnvoll spielen zu können

Es existieren zahlreiche Interpretations-Ausgaben der Bach’schen Werke, die meisten von ihnen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert (die bekanntesten von ihnen sind die Editionen von Czerny, Busoni oder Mugellini). Es muss angemerkt werden, dass es nach den zahlreich veröffentlichten Erkenntnissen der Musikwissenschaft und der Historischen Aufführungspraxis nicht mehr zu empfehlen ist, diese früheren Interpretations-Ausgaben zum Studium zu benützen, gleichwohl sie als historisches Material interessant sind.

Eine Rückschau:

Anfang der siebziger Jahre besuchte Prof. Walter Blankenheim einen Klavierabend von Svatoslav Richter, in dem dieser nur Werke von J. S. Bach spielte. Nach dem Konzert entschied Walter, diese wunderbare Musik selbst zu spielen und sie dem Publikum in seinen eigenen Konzerten zu präsentieren.

In den folgenden Jahrzehnten studierte er fast alle Werke von J. S. Bach und spielte diese in zahlreichen Konzerten seiner Konzertreisen. Während dieser intensiven Studienzeit kam er der Essenz von Bachs Musik immer näher und verstand, wie die Informationen der historischen Aufführungspraxis und der musikwissen-schaftlichen Forschung mit den Möglichkeiten des modernen Klaviers und den Interpretationswünschen des Interpreten in eine gute Balance gebracht werden können.

Das Resultat dieser intensiven Arbeit zeigt sich in seinen Noten, die zahlreiche Einzeichnungen zu Struktur, Artikulation und Phrasierung, Dynamik, Tempo sowie Vorschläge für praktische und hilfreiche Fingersätze und die mögliche Verwen-dung des Sostenuto-Pedals (das mittlere Pedal eines Konzertflügels) aufzeigen. Diese Markierungen helfen, die Musik zu verdeutlichen, und dies erlaubt dem Interpreten somit, zu einer klaren und lebendigen Interpretation zu kommen.

Seine eigenen Figurationen zu verschiedenen Tanzsätzen, insbesondere zu Sarabanden, zeigen, wie eine Wiederholung zu bereichern sein kann. Zahlreiche Pianisten, die Prof. Blankenheims Bachkurse in Deutschland und im Ausland besuchten, hatten das gleiche Gefühl: Diese Kurse eröffneten eine Welt, in der das Wunder und die Freude über die aufwändigen, vielfältigen und doch immer wieder unterschiedlichen Werke Bachs mit jeder neu erarbeiteten Komposition wuchsen.

2012 entschieden sich Prof. Inge Rosar und Dr. Kirill Monorosi, dieses reiche Erbe von Walter Blankenheim gedruckt zugänglich zu machen. La Folia Music Publications begann 2016 mit der Herausgabe der Blankenheim/Rosar Edition mit bisher fünf  Veröffentlichungen (s. die Noten weiter unten).

J. S. BACH Französische Suite Nr. 1
BWV 812
Franz.-Suite-1
J. S. BACH Französische Suite Nr. 2
BWV 813
J. S. BACH Zweistimmige Inventionen
BWV 772 – 786
J. S. BACH Sinfonien
BWV 787 – 801
Erhältlich ab Dezember 2020

J. S. BACH Kleine Präludien
BWV 924 -943, 999
Ein kleiner Auszug als Beispiel für die Vorworte in allen Noten.
Generelle Hinweise sind ebenso zu finden wie spezielle Hilfen für das jeweilige Werk.

Hier ist ein kleiner Abschnitt aus dem Vorwort für die Sinfonien:

2. Strukturierung und Phrasierung

In der Musik des späten Barock und insbesondere in Bachs Werken ist die Struktur von höchster Wichtigkeit und wird durch andere Parameter unterstützt, also durch Phrasen (Sinneinheiten), Artikulation und Dynamik. (Dieses Thema wurde in verschiedenen Studien ausführlich untersucht. Eine Kritik zur romantischen Behandlung der Dynamik bei Bach-Interpretationen ist erschienen bei: Larsen, Jens Peter, Howard Serwer, and James Webster. Haydn Studies: Proceedings of the International Haydn Conference, Washington, DC, 1975. (WW Norton & Company, 1981), 277-278).
Die kontrastierende Struktur eines Werkes – beispielsweise Tutti-Solo-Formen wie das Ritornell oder Außensätze eines barocken Konzerts und konzertähnlicher Werke, wie die Préludes der Bach‘schen Englischen Suiten 2 bis 5 – sollte auch durch den Gebrauch der ihr innewohnenden dynamischen Kontraste unterstützt werden. Die Sinfonien enthalten gleichartige Strukturen, jedoch in Miniaturform.

Einer sinnvollen Interpretation des Werkes geht zuerst das Auffinden von Strukturen voraus, um diese anschließend zu verklanglichen. In dieser Edition sind die Strukturen mit eckigen Klammern angezeigt (keine Bögen, da Phrasierungsbögen als legato-Bögen missverstanden werden könnten).

Einige Balkungen wurden getrennt und die Noten in anderen rhythmischen Gruppen zusammengefasst, um Struktur, Phrasierung und die Funktionen der Noten besser zu verdeutlichen. Das Thema der Bachschen Balkungen wurde in Yo Tomita’s Studienschrift untersucht (Deciphering the performance hints hidden in J. S. Bach’s quaver beams).